Gedanken zur Zeit

Die Macht

der Bilder

 
 
Ein Bild sagt mehr als tausend Wort, heißt es und das stimmt. Bilder verändern die Welt. Ikonisch das Bild des „Napalm girl“[i], das 1972 entscheidenden Einfluss auf die US-amerikanische Außenpolitik hatte.
 
Der 9.11. hat sich vor allem in unser Gedächtnis eingebrannt, weil wir immer wieder das Bild vom Flugzeug sahen, wie es in das Gebäude flog.
 
Auch persönlich sind es oft Bilder, die hängen bleiben – der stolze Erstklässler mit Zahnlücke, das andächtige Kommunionkind, die glücklich lachenden Brautleute, … Es sind vor allem die Bilder, die unsere Erinnerungen hervorrufen.
 
Heute müssen wir über das Bild von uns anders nachdenken. Wenn wir es einmal gepostet haben, gehört es uns nicht mehr. Alle können es nutzen.
 
Vorbei die Zeiten der Fotoalben mit liebevoll gestalteten Kommentaren – einschließlich Datum – unter jedem Bild.
Vorbei die Zeiten, in denen jeder Ferienreise die grauenhaften Dia-Abende folgten, die vielleicht nur in der Erinnerung so grauenhaft sind.
Vorbei die Zeiten, in denen die Bilder vom Ferienlager alle im Schaufenster des kleinen Ladens im Dorf hingen, fein säuberlich mit Nummern versehen. Damals gingen wir gucken und wählten dann die Bilder aus, die wir haben wollten.
 
Damals waren diese Bilder eben öffentlich, aber halt nur für einen kleinen Kreis. Außer den Dorfbewohnern interessierte sich kein Mensch für diese Bilder.
 
Privater waren wir natürlich trotzdem nicht. Schon die Wäscheleine konnte Geheimnisse verraten – ob Besuch da war oder eine Schwangerschaft sich ankündigte. Das Dorf wusste meistens alles.
 
Das, was alle wussten, war natürlich eine Geschichte, eine Vermutung, die jede und jeder im Kopf mit eigenen Bildern gestaltete. Anders als heute, waren diese Bilder irgendwann weg. Sie verblassten und verschwanden irgendwann ganz aus unseren Köpfen.
 
Erstaunlich ist es daher, dass wir in der Bibel Bilder finden, die auch heute noch leuchten, manchmal geradezu brillant. Bilder, die so voller Kraft und Leben sind, dass sie immer weitergegeben und auch immer weiter verstanden wurden. „der gute Hirte“ ist so ein Bild. Das verstehen wir auch ohne einen Stall voll eigener Tiere oder das Bild vom „Samen, der auf guten Boden fällt“.
 
Es sind vor allem die Bilder, die vom Reich Gottes erzählen, von Gottes Liebe und Nähe. Es sind immer Annäherungen. Immer heißt es etwa „mit dem Reich Gottes ist es wie…“. Gott und Gottes Reich bleiben auch mit diesen Bildern unverfügbar.
 
Und doch: diese Bilder pflanzen uns eine Sehnsucht ins Herz, die Sehnsucht nach Gottes Gegenwart (egal, wie genau das jede und jeder für sich selbst nennt).
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Text: Andrea Ludwig
Bild: Canva.com