
„Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid!“ wer kennt dieses Jesus-Wort nicht. In den letzten Wochen hätte „schweißgebadet“ noch gut dazu gepasst.
Mühselig und beladen? Das sind doch die, die bei der Bullenhitze an irgendwelchen Baustellen schuften; oder die, die überhitzte Senioren aus heißen Zimmerchen retten; oder die Paketzustellerinnen, die trotz des Wetters Pakete an unsere Haustüren schleppen. Alles mühselige und „beladene“ Aufgaben.
Mühselig und beladen? Das sind auch die, denen es nicht gelingt, einen Konflikt in den Griff zu bekommen, die keinen Ausweg sehen; oder die, die vor lauter Kleinkram das Ziel aus dem Auge verlieren und sich bis zur Erschöpfung verzetteln; oder die, die vor lauter Sorge um einen geliebten Menschen nicht mehr richtig schlafen können.
Mühselig und beladen? Das sind aber auch die, die immer im Mittelpunkt des Interesses stehen; oder die, die sich blamiert haben oder beschämt wurden; oder ein Jonathan Tah, dessen verschossener Elfmeter wahrscheinlich das ikonische Bild des deutschen Abschneidens bei der WM 2026 bleiben wird.
Jesus lädt alle ein, aber er verspricht nicht, die Last abzunehmen. Der Konflikt wird nicht durch ein Gebet gelöst, Gottes Segen bringt nicht die nötige Ordnung und auch der verschossene Ball wird nicht ins Netz gemogelt.
Jesus verspricht Erholung und Stärkung! „Ich will Euch erquicken“ Kraft sammeln und Ausruhen und dann geht es weiter. Da ist dann auch gleich vom Joch die Rede „nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir“.
Ein Joch klingt für mich jetzt nicht wirklich verlockend. Das klingt nach harter, genau: mühseliger und vor allem monotoner Arbeit. Und ich ahne: das war nicht gemeint. Denn was wir von Jesus lernen könnten, das wird ja auch genannt: Güte und Demut.
Alte Wörter, die wir auf vielerlei Weise übersetzen könnten: Nachsicht und Zurückhaltung etwa oder Freundlichkeit und Rücksicht – mir gefällt heitere Gelassenheit ganz besonders. Wichtig: auch durch Güte und Demut wird kein Problem gelöst. Doch darum geht es ja auch gar nicht. Das Ziel ist nicht eine naives „alles wieder gut“. Das Ziel ist ein anderes. „ihr werdet Ruhe finden für eure Seele“.
Seelenruhe! Das ist der Brunnen aus dem wir schöpfen könnten. Seelenruhe - Vertrauen ins Gelingen – das bringt eine Atempause, ein Zurücktreten von dem ganzen Kleinkram des Alltags. Seelenruhe lässt es uns noch einmal versuchen.
Wir selbst können uns keine Seelenruhe machen und oft genug ist sie ja auch gar nicht von Dauer. Doch wir können uns Jesus zuwenden mit all unserem Kummer, unserer Angst, unserer Scham. Von ihm dürfen wir Stärkung erwarten! Jesus geht mit, er bleibt – ohne zu werten, ohne zu urteilen.
Gott ist da - meine Hoffnung und meine Stärke
Text: Andrea Ludwig
Bild: Bild: Christian Schmitt. In: Pfarrbriefservice.de
