Bleibt die Kirche im Dorf?

15.06.2026 | Wie soll Kirche in Gottenheim in Zukunft aussehen?

Auswertung der Fragebogenaktion
 
Unsere Gesellschaft verändert sich rasant. Auch in Gottenheim spüren wir das. Kirche und Glaube sind vielen Menschen fremder geworden. Und doch bleibt die Kirche ein wichtiger Ort: die Gemeinde versammelt sich zum Gottesdienst, Kinder werden getauft und gehen zur Erstkommunion, Jugendliche lassen sich firmen, Hochzeiten und Beerdigungen finden statt.
 
Mit einem Fragebogen hat das Gemeindeteam der katholischen Kirchengemeinde Ende 2025 Gottenheimerinnen und Gottenheimer nach ihren Ideen, Wünschen, und ihrer Bereitschaft zur Mitgestaltung gefragt. Mit der Umfrage wollte das Gemeindeteam ein Stimmungsbild einholen, um es an diejenigen weitezuleiten, die zu einem späteren Zeitpunkt konkrete Entscheidungen treffen.

An der Umfrage haben insgesamt 102 Menschen aus Gottenheim teilgenommen. Sieben Fragebögen wurden von Gottenheimern unter 18 ausgefüllt, 11 von Teilnehmerinnen und Teilnehmern zwischen 18 und 29 Jahren, 26 Fragebögen von Menschen zwischen 30 und 49 Jahren, 22 Teilnehmer waren zwischen 50 und 64 Jahre alt und 36 älter als 65.
 
Zu den Fragen wurden folgende Antworten abgegeben:
 
Wie häufig nehmen Sie Angebote der Kirche wahr?
31 Teilnehmer gaben an, die Kirche mehrmals im Monat zu nutzen, 50 gehen mehrmals im Jahr in die Kirche, 18 selten und 2 Personen nie. Auch nach der Häufigkeit des Gottesdienstbesuchs wurde gefragt. 28 gehen mehrmals im Monat in Gottenheim oder in anderen Orten zum Gottesdienst, 51 mehrmals im Jahr, 17 selten und sechs nie in einen Gottesdienst.
 
Wenn Sie selten oder nie teilnehmen – was ist der Hauptgrund?
Nach den Gründen gefragt, warum sie selten an einem Gottesdienst teilnehmen, gaben 11 an, dass es keine passenden Angebote gebe, 16 fehlt die Zeit bzw. sie haben andere Prioritäten, 11 Menschen fühlen sich von den Gottesdiensten nicht angesprochen und 12 gaben andere Gründe an, etwa das Fehlen junger Menschen, den Missbrauchsskandal in der Kirche, Krankheit und Alter oder sie finden die Form der Gottesdienste nicht mehr zeitgemäß.
 
Wie oft haben Sie die Pfarrkirche St. Stephan schon aufgesucht, etwa zum Gottesdienst oder zu anderen Anlässen wie einem Konzert oder um eine Kerze anzuzünden.
Neun Personen gaben an, einmal im Jahr, 85 mehrmals im Jahr und sieben nie.
 
Nicht alle Gebäude der Kirchengemeinde können in Gottenheim weiterhin behalten.
Viele diskutiert wird auch in Gottenheim über die Zukunft der Pfarrkirche, denn nach der Neuorganisation der Pfarrgemeinde zum Jahresanfang können nicht alle Gebäude im Eigentum der Kirche erhalten werden. Die Teilnehmer wurden gefragt, welche Gebäude in Gottenheim ihnen am wichtigsten sind und Nummer eins war die Pfarrkirche mit 89 Nennungen, für 34 Gottenheimerinnen und Gottenheimer ist das Gemeindehaus St. Stephan das wichtigste Gebäude. Teilweise wurden aber auch beide Gebäude gleichrangig genannt.
 
Welche Angebote der Kirchengemeinde nutzen Sie in Gottenheim besonders gerne ?
Hier waren freie Nennungen möglich. 37 Mal wurden die Gottesdienste genannt, 24 Mal Gottesdienste zu Jahresfeierlichkeiten, sieben Mal Familiengottesdienste, fünf Mal Beerdigungen, drei Mal das Krippenspiel und vier Mal die Adventsfeier. Weitere Nennungen waren zum Beispiel der Adventsweg, der Seniorennachmittag, der Außenbereich der Kirche, Taizé, der Kinderchor, die Frauengruppe und Angebote für Kinder.
 
Welche Angebote und Veranstaltungen wünschen Sie sich für ein lebendiges Gemeindeleben vor Ort?
Genannt wurden regelmäßige Gottesdienste vor Ort (7), mehr Gottesdienste mit einem Pfarrer (3), Jugendgottesdienste (2), Maiandachten (1), Glaubenskurse (1), Umtrunk nach dem Gottesdienst, Konzerte, Angebote für Kinder (5), Angebote für Familien (4), Infoveranstaltungen (2), Angebote für Jugendliche und jüngere Menschen (7), gesellschaftlicher Austausch (4), modernere Lieder (2), kulturelle Angebote (2) und anderes mehr. Auch soziale Projekte, ein Flohmarkt, Mittagessen und eine beheizte Kirche (2) wurden genannt. Ein Teilnehmer hatte sogar einen ganz konkreten Vorschlag: Er wünschte sich einen Arbeitskreis zum Thema „Neuheidentum und Christenverfolgung in Arabien“.
 
In welcher Form wären Sie bereit, sich in die kirchliche Gemeinschaft vor Ort einzubringen, sowohl bei der Frage des Erhaltes der Gebäude als auch bei der Gestaltung des kirchlichen Lebens? Gefragt wurde dabei nach dem Erhalt der Gebäude und nach der Gestaltung des kirchlichen Lebens.
Sieben Teilnehmer können sich vorstellen zu spenden, andere wollen Spenden sammeln, andere gaben an, dass sie Kirchensteuer bezahlen oder sich an den Heizkosten beteiligen wollen. Sieben Mal wurde handwerkliche Hilfe angeboten, vier Mal die Instandhaltung der Außenanlagen der Kirche. Weitere Nennungen waren Raumpflege, aktive Hilfe, Gestaltung von Prozessionen, einen Yogakurs abhalten, die Teilnahme an Diskussionen, Jugendarbeit, Ministranten, beten, musikalische Kinder- und Jugendarbeit, eine Vereinsgründung zum Kirchenerhalt oder Blumenschmuck bezahlen. Ein Teilnehmer an der Umfrage will einen Arbeitskreis „Evangelien der Maria Magdalena“ anbieten und zwei Personen drohen mit dem Kirchenaustritt, falls die Gottenheimer Kirche verkauft werden soll.