26.05.
Zunächst begaben sich die Reisenden in St-Clément, einem Vorort von Sens, zur Fontaine d’Azon, der Hinrichtungsstätte Columbas, die an dieser Stelle im Jahr 274 n. Chr. den Märtyrertod erlitten hatte. Dort berichtete Daniel Dufour, ein Mitglied der Freunde der Columbakapelle, gestützt auf die überlieferte Legende, ausführlich über das Leben von Columba und das historische Umfeld in der damals unter römischer Herrschaft stehenden gallischen Provinz. Danach begab man sich zur Columbakapelle, ebenfalls in St-Clément, in deren Krypta die Gebeine der Heiligen in einem Reliquienschrein ruhen. Nach einer sachkundigen Führung in der Kirche feierten die Pilger dort mit Pfarrer Alois Schuler als Hauptzelebranten eine heilige Messe. Der gemeinsame Abend wurde fortgesetzt im Gemeindesaal von St-Denis-lès-Sens, wo die Reisenden von Bürgermeister Alexandre Bouchier und Hubert Leprêtre, dem Präsidenten der „Amis de la Chapelle“, willkommen geheißen wurden. Im Namen aller Mitreisenden wurde den französischen Freunden eine großzügige Spende für den Erhalt der Columbakapelle übergeben. Als Gegengeschenk erhielten die Gäste aus Deutschland ein Gemälde dieser Kapelle, das einen würdigen Platz im Foyer des Columbasaals von Pfaffenweiler finden wird. Daran schloss sich ein gemeinsames Abendessen mit den französischen Freunden an, das Gelegenheit zum regen gegenseitigen Austausch bot. Mit dem Dank für die unserer Pilgergruppe erwiesene herzliche Gastfreundschaft endete dieser erste Tag unserer Reise nach Frankreich.
27.05.
Die Fortsetzung unserer Wallfahrt begann am 2. Tag in aller Frühe mit dem Aufbruch in Sens nach Rouen – nach Ankunft dort zur Mittagszeit war für alle Teilnehmenden Gelegenheit, sich in einem der vielen Restaurants zu stärken oder auf eigene Faust eine kleine Erkundung zu unternehmen bis zum Beginn der Führung in der Altstadt und der sich anschließenden Führung in der Kathedrale in zwei Gruppen, von überaus kundigen Stadtführerinnen durchgeführt wurde. Schon bei der Anfahrt an die Stadt wurde so manchem das Wort von Victor Hugo deutlich, der Rouen als die Stadt mit den 100 Kirchtürmen bezeichnet hat. In der Altstadt waren die vielen Fachwerkhäuser ein besonderer Blickfang, beeindruckend der Uhrenturm aus dem 14. Jahrhundert und als Höhepunkt die gotische Kathedrale aus dem 12. Jahrhundert mit ihrem romanischen Ursprung. Gerne hätten wir noch mehr Zeit an diesem Ort mit seiner interessanten Geschichte verbracht, auch auf den Spuren der Hl. Johanna von Orléans – der Nationalheiligen Frankreichs, die auf dem Marktplatz in Rouen in 1431 auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Aber – weitere interessante Ziele lagen noch auf der Strecke – und so begann die Weiterfahrt von Rouen aus am späteren Nachmittag nach Lisieux. Vor dem Abendessen in Lisieux fanden sich alle ein zu einer gemeinsamen Messfeier in einem für uns zur Verfügung gestellten Raum im Hotel. Alle PilgerInnen trafen sich im Anschluß zum Abendessen und dann zum gemütlichen Ausklang des Tages am Rande des Swimingpools auf der Terrasse.
28.05.
Der Tag stand im Zeichen der Hl. Thérèse von Lisieux – beginnend mit einer Führung im Sanctuaire (Heiligtum) von Thérèse – mit der Basilika, die sich über die Stadt erhebt, interessanten Details zum Leben der „kleinen Hl. Thérèse vom Kinde Jesu“ (im Unterschied zur Hl. Theresia von Avila) gaben uns Aufschluss über die Heilige, die bereits im Alter von 15 Jahren ihre Aufnahme in den Orden der Karmeliterinnen gegen vielfachen Widerstand – auch aus kirchlichen Kreisen - für sich „erkämpft“ hatte – und die für sich den Priesterberuf erbat. Im Alter von nur 24 Jahren verstarb Thérèse an Tuberkulose am 30.09.1897 und wurde von Papst Pius XI am 17.05.1925 heiliggesprochen. Nach einer kurzen Besichtigung von „Les Buissonnets“, wo die Familie von Thérèse bis zu deren Alter von 15 Jahren gewohnt hatte, fand der Tag seinen Abschluss in einer Messfeier in der Basilika. Nach einem – kulturell und spirituell – erfüllten Tag waren Abendessen und Beisammensein im Anschluss ein willkommener Ausklang.
29.05.
Ein „Ganztagsausflug“ zum Mont St. Michel stand auf dem Programm – immerhin ca 360 km Hin- und Rückfahrt erwarteten die Reisegruppe. Von weitem schon erschließt sich das signifikante Bild des Mont St. Michel für die Reisenden. Am Busparkplatz angekommen war die Entscheidung zu treffen – Fahrt mit dem Shuttle-Bus hin zum Eingang des Monuments oder kurzer Gang über einen Steg hin zum Eingang. Angekommen am Eingang zum „Dorf“ erwartete die Reisegruppe ein Strom von Menschen, die sich auf engem Terrain den Besuch des Mont „erarbeiteten“ – geleitet auch hier von einer sachkundigen Reiseführerin konnte unsere Reisegruppe den Weg hinauf (mit doch 365 Stufen …) gut bewältigen –unterbrochen von atemberaubenden Ausblicken auf die Umgebung des Mont St. Michel. An verschiedenen Haltepunkten beim Aufstieg wurde die Architektur des Mont St. Michel erklärt –jegliche Konstruktion auf der 92 m hohen Insel war vor vielen Jahrhunderten „senkrecht“ durchzuführen. Ein Meisterwerk! Die Teilnehmenden der Wallfahrt waren ergriffen …Und dann war der Abstieg angesagt – mit einer Messfeier in der Kirche St. Pierre und der sich anschließenden Rückkehr zum Bus nach einer kleinen Pause endete der Besuch des Weltkulturerbes Mont St. Michel mit seinem Schutzpatron – dem Erzengel Michael (in der Wallfahrtsgruppe waren doch mehrere Namensvettern des Erzengels, die den Besuch ganz besonders geschätzt haben). Und – auch an diesem Tag der Abschluss mit dem Abendessen und „Chillen“ im Anschluss im Hotel
30.05.
Der vorletzte Tag unserer Wallfahrt war am Vormittag einer „Rückschau“ auf die gemeinsam erlebten Tage gewidmet – alle TeilnehmerInnen waren gebeten, ihre Eindrücke kurz darzustellen (was nehme ich mit von diesen Tagen – an Erfahrungen, was hat mich besonders beeindruckt und vielleicht geprägt, neue Ziele für eine nächste Wallfahrt). Die Kommentare und Anmerkungen nehmen wir mit für die nächste zu planende Wallfahrt. Und am Mittag und Nachmittag – fakultatives Programm – zur Auswahl standen die Fahrt nach Deauville ans Meer oder Gelegenheit, Lisieux auf eigenen „Wegen“ zu erkunden. Einige der Teilnehmenden an der Fahrt nach Deauville hatten sich zunächst in einem Restaurant an der Küste verwöhnen lassen, um im Anschluss die Füße im Atlantik zu kühlen. Eine Vorabendmesse in der Kapelle des Sanctuaire von Lisieux bildete den würdigen Abschluss des (vor)letzten Teils unserer Reise.
31.05.
In aller Frühe dann war das – „Adieu – oder Au revoir bis zum nächsten Mal - la douce France“ angesagt – eine lange Heimfahrt stand uns bevor. Mit gemeinsam gesungenen Liedern, Gebet und lebendigem Austausch untereinander und der einen oder anderen verbrachten – schlafenden - „Auszeit“ erschien allen die Rückkehr viel kürzer als befürchtet. Erfüllt von vielen neuen Erfahrungen, dem kleinen „Kennenlernen der Hl. Columba und der Hl. Thérèse“ und unter dem Eindruck eindrucksvoller Erlebnisse traten wir den Heimweg an – angekommen an den verschiedenen Haltepunkten in Pfaffenweiler, Kirchhofen, Staufen und St. Trudpert.
Walburga Gerstner / Monika Spies