„Franz von Assisi ist für mich der Tänzer Gottes!“
Bruder Paulus Terwitte spricht über die bedingungslose Freiheit von Franz von Assisi
Kapuzinerbruder Paulus Terwitte ist Gastsprecher der Vortragsreihe „Pax et Bonum“ - Friede und Heil, welche zum 800. Todesjahr des Hl. Franz von Assisi von der Röm.-Kath. Kirchengemeinde Breisgau-Markgräflerland präsentiert wird.
Er ist bekannt durch seine Fernseh- und Radiobeiträge, seine Bücher und seine unermüdliche Hilfe für sozial Schwache und Obdachlose, wofür er das Bundesverdienstkreuz erhielt.
Im folgenden Interview mit Andrea Kohl, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit der Röm.-Kath. Kirchengemeinde Breisgau-Markgräflerland, erzählt er von seiner persönlichen Lebensphilosophie und der Bedeutung von Franz von Assisi für sein Leben.
Könnten Sie uns zu Beginn des Interviews einen kurzen Überblick über Ihren Werdegang geben?
Als junger Mann hat mich ergriffen, was die Taufe meint: Ein Mensch allein von Christus her zu sein. Die Kapuziner habe ich mit 17 Jahren als meine Lebensform ausgesucht, weil ich dort diese Geschwisterlichkeit aus dem Einen Geist Gottes leben wollte, die Franziskus von Assisi so einzigartig entdeckt und gelebt hat.
Wenn Sie zurückblicken: Welche Schlüsselmomente haben Sie besonders geprägt?
Ich sehe mich vor dem Abitur in der Grotte von Lourdes, mit blinden Pilgern. Das Wasser dort, die Höhle … eine ganze Nacht frisch werden für die tägliche Geburt Richtung Gottes Licht … das geht mit ein Leben lang: Wir sind Auferstehungstypen, als Gesalbte Gottes gehen wir königlich um mit dem Bösen, der Frustration und der Lebensangst.
Ein zweiter Moment: Als ich vor fünf Jahren kurz davor war, aus der Kirche auszutreten, erschloss sich mir in allem Geld- und Machtgetümmel die Stimme der Maria von Magdala neu: Er ist nicht hier. Er ist auferstanden.
Sie sind Bruder und Guardian bei den Kapuzinern. Für welche Kernwerte steht Ihr Orden und warum sind Sie dem Orden beigetreten?
Wir wollen schöpfungssensibel und menschentreu sein, und jeden als Gabe des Schöpfers wie ein Geschenk annehmen. Gerade wenn er uns stört. Wir sind ein Shalom-Projekt: Niemand hat sich den anderen als Bruder ausgesucht. Und jeder vertraut dem Geist Gottes, dass er uns füreinander fähig macht.
Sie wurden mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Welches gesellschaftliche Engagement lag Ihnen dabei besonders am Herzen?
Mir ist es wichtig, obdachlose Menschen als Lebenskolleginnen und Lebenskollegen zu sehen. Wir brauchen einander alle in dieser Welt, und da gibt es niemanden, den man mehr braucht oder den man nicht brauchen kann. Die katholische Soziallehre habe ich eingebracht zu einer Sichtweise, die von jedem erwartet, zu geben, was er kann, gemeinschaftlich sich zu verhalten, wie er kann, und wenn er es nicht kann, ihn darin zu stützen.
Zur Themenwoche „Pax et Bonum“ im Franziskus-Gedenkjahr sind Sie als Gastredner bei der Röm.-Kath. Kirchengemeinde Breisgau-Markgräflerland zu Besuch. Welche persönliche Bedeutung hat der heilige Franziskus für Ihr eigenes Leben?
Er ist für mich der Tänzer Gottes, er ist kontemplativ in Gott so verankert, dass er frei ist, mit der Welt zu spielen. Die Herausforderungen im persönlichen, gesellschaftlichen und kirchlichen Leben brauchen den Humor dessen, der um die Vergänglichkeit von allem weiß, und um die Freiheit, die es ermöglicht, sich nicht um sich selber sich zu sorgen, sondern wenn schon sorgen, dann um die Armen, die Schwachen, die Benachteiligten.
Welches Kernthema steht im Mittelpunkt Ihres kommenden Vortrags?
Das Unterwegssein des Heiligen Franziskus, die Erfindung des ambulanten Mönchtums ist Folge der Gotteserfahrung des Sonnensängers: Gott ist für uns da, nicht damit alles so bleibt, wie es ist, sondern mitten im Wandel brennt er mit dem Feuer seiner Gegenwart wandelnd uns zu: Ich bin der „Ich bin für dich da“. Lasse dich ein auf die Zeichen der Zeit.
Warum ist der heilige Franziskus selbst nach 800 Jahren noch ein so starkes Vorbild für Menschen jeden Alters?
Wegen dieser Freiheit, Gott mehr gelten zu lassen als alles, was einem sonst Sicherheit zu geben scheint.
Welchen Impuls möchten Sie unserer jungen Kirchengemeinde mit auf den Weg geben? Gibt es vielleicht auch ein Buch oder eine Bibelstelle, die Sie uns empfehlen können?
Lest bitte alle das Buch: Die Torheit Gottes. Von John Caputo. Der geht an die Wurzeln unseres falschen, behindernden Gottesverständnisses. Meditiert: Jesus ist WEG und Wahrheit und Leben. Und schließlich: Lest mein Buch: Stark durch den Wandel. Darin erzähle ich persönlich, wie stark wir werden, wenn wir Wandel nicht als Feindin, sondern als Freundin annehmen.
Danke für das spannende Interview und Ihr Engagement für uns alle!