Der erste Mai ist der Tag der Arbeit – einer von zwei nichtchristlichen Feiertagen im Jahr. Für die meisten von uns ist es ein Tag, an dem es raus geht: wandern, zusammen sein, die Natur genießen; kurz genau das nicht tun: arbeiten!
Wir unterscheiden gut zwischen Arbeit und Freizeit. Dabei ist unsere Freizeit ja meistens auch gar nicht frei. Wir arbeiten dann auch, nur eben nicht gegen Geld. Wir putzen, waschen, kochen und bügeln – muss ja alles gemacht sein und wird auch bei uns überwiegend von Frauen erledigt.
Wir kümmern uns um die Kinder, die Alten und Pflegebedürftigen – das gebieten Solidarität und Mitgefühl und wird auch überwiegend von Frauen erledigt.
Wir kümmern uns um Haus und Garten – Rasen mähen und Unkraut zupfen, Reifen wechseln und Fahrradkette schmieren, kleinere und größere Reparaturen drinnen und draußen – hier sind eher die Männer in der Überzahl.

Da bleibt nicht mehr so ganz viel wirklich ganz freie Zeit. Und manchmal vergessen wir, dass wir Vieles davon gewählt haben. Wir wollten Fußball spielen, ein Instrument lernen, Hauptmann bei der Feuerwehr oder Mitglied im Vorstand werden. Vielleicht macht uns die Tätigkeit einfach Spaß und wir wollen, dass das erhalten bleibt, vielleicht fühlen wir uns verpflichtet. Es ist auf jeden Fall unsere Wahl.
Wir füllen unsere Zeit mit den Dingen, die uns wichtig sind, die wir gern tun. Natürlich ist immer auch etwas dabei, was keinen Spaß macht. Doch einfach nur nichts tun – das liegt uns auf Dauer nicht.
Arbeit, gute Arbeit gibt dem Leben Sinn. Wenn wir etwas herstellen, etwas schaffen; wenn wir helfen, andere unterstützen; wenn wir lernen; wenn wir Gemeinschaft ermöglichen, dann fühlen wir uns lebendig, dann geht es uns gut. Wir nennen das heute nicht mehr so gern Arbeit, sondern sprechen lieber von Aktivität.
Arbeit ist gut, wenn sie sinnvoll ist.
Arbeit ist gut, wenn sie die Welt besser macht.
Arbeit ist gut, wenn sie fair bezahlt wird (und zwar nicht immer nur in Geld).
Arbeit ist gut, wenn sie solidarisch ist und Gemeinschaft schafft.
Arbeit ist gut, wenn sie selbstbestimmt ist und niemanden ausbeutet.
Und wenn Arbeit gute Arbeit ist, dann ist das etwas, worin wir Gott ähnlich sind. Ein bisschen von Gottes Schöpferkraft steckt in uns und wird sichtbar, wenn wir arbeiten, wenn wir ganz selbstvergessen etwas tun.
Das spüren wir am Abend, wenn wir dann „rechtschaffend“ müde sind, körperlich erschöpft aber seelisch erfüllt.
Text: Andrea Ludwig
Bild: Christian Lück (die-sehleute.de) in: Pfarrbriefservice.de
