Gedanken zur Zeit

Himmelfahrt

Freiheit

 
 
In der Schule haben wie über Himmelfahrt gesprochen und uns gefragt, warum Jesus eigentlich zum Vater zurückkehren musste. Hätte er nicht einfach bei den Menschen bleiben können? Dann hätte doch alle immer gewusst, dass er auferstanden ist und dass wir alle gerettet werden.
 
Die Kinder hatten ganz großartige Antworten darauf:
 
„Er ist bei seinem Vater zu Hause, da kann er ja nicht immer weg bleiben. Wahrscheinlich hatte er auch Sehnsucht nach seinem Vater.“ Eine solche Sehnsucht nach dem Vater, nach dem Zuhause kennen die Kinder von sich selbst, eine solche Sehnsucht nach dem himmlischen Vater ist uns allerdings auch nicht fremd. Diese Suche nach einer Heimat, nach etwas, was unser Leben überdauert.
 
„Jesus ist ja gestorben. Wahrscheinlich ist sein Leben nach der Auferstehung einfach anders als unser Leben und das passt nicht mehr zusammen.“ Was für ein Gedanke! Da gibt es das Leben und es gibt diese Schwelle – den Tod. Wer diese Schwelle überschreitet, der passt nicht mehr in unsere Welt des Lebens. Beide Welten haben Berührungspunkte, aber keine Schnittmengen. Jesus erscheint den Jüngerinnen und Jüngern noch einige Male, aber dann gehört er einfach nicht mehr in diese Welt.
 
„Wenn jetzt Jesus immer da wäre, dann wären wir ja immer alle brav und dann könnten wir uns ja gar nicht mehr richtig entscheiden, dann wären wir nicht mehr frei.“ Zur Freiheit gehört – das haben die Kinder sofort erkannt – eine echte Wahl. Den Auferstandenen leibhaftig jeden Tag vor Augen zu haben, hieße keine wirkliche Wahl mehr zu haben. Dann würde aus meiner persönlichen Gewissheit ein allgemeines Wissen. Es gäbe keinen Glauben.
 
Und: es gäbe keine Hoffnung – nur Sicherheit. Wäre angesichts dieser Sicherheit nicht alles Handeln und Entscheiden, alles Hoffen und Bangen letztlich unerheblich? Wie wichtig ist meine kleine Not, wie bedeutend mein kleines Glück, wenn am Ende diese Erlösung steht, um die ich gar nicht ringen muss, die einfach so gesetzt ist.
 
Gott mutet uns diese Unsicherheit zu, denn er will unsere Liebe, will, dass wir uns für ihn entscheiden. Glaube braucht Freiheit, Zweifel, Irrtum und Schuld. Glaube ermöglicht Vergebung, Gewissheit, Zuversicht und Hoffnung. Gewissheit und Hoffnung lassen mich befreit durchs Leben gehen, sind aber auch errungen in inneren Zweifeln, in Ablehnung und auf Irrwegen.
 
Und darum sollten wir „Erwachsenen“ vielleicht ab und zu mal unsere Kinder fragen. Denn hier lassen sich offensichtlich Glaubensschätze bergen, so leicht und so unbefangen, dass allein daraus Zuversicht wächst.
 
 
 
 
 
Text: Andrea Ludwig
Bild: canva.com