So steht es auf einer Postkarte auf meinem Schreibtisch. Dazu eine Kinderzeichnung von einem lachenden Kind mit Eis in der Hand.
Mit allem rechnen, das fällt uns meist nicht so schwer, aber mit dem Guten? Der kleine Spruch bringt uns zum Schmunzeln, weil wir meistens eben das nicht tun: mit dem Guten rechnen. Wir sorgen uns und vor lauter Sorgen und Gedanken, nehmen wir manchmal das Gute, das Schöne gar nicht wahr.
Und es stimmt ja auch: es gibt genug Grund zur Sorge und über das Schlechte lässt sich so viel länger und ausführlicher reden und jammern, als wir über Schönes berichten können. Und doch lohnt es sich, mit dem Guten zu rechnen und den Blick zu schärfen für das Schöne.
Oft kriege ich nämlich genau das, was ich erwarte. Wenn ich damit rechne, dass der Kollege mich gleich niedermacht und ich dastehe wie ein Trottel, mache ich es ihm auch leicht, genau das zu tun. Meine ganze Körperhaltung wird schon defensiv und klein sein und wahrscheinlich werde ich auch noch über etwas stolpern oder etwas umwerfen. Ich werde mich gründlich darauf vorbereiten, wie ein Trottel dazustehen.
Anders sieht es aus, wenn ich erwarte, dass der Kollege gleich eine Kritik äußert und ich damit souverän umgehen werde. Dann werde ich wahrscheinlich aufrechter sitzen, den Kollegen und die anderen anschauen, mir Notizen machen und Fehler ein- und Missverständnisse ausräumen.
So, wie ich mich inhaltlich auf eine Besprechung, eine Begegnung oder ein Gespräch vorbereite, kann ich das auch emotional tun. Natürlich überlege ich mich, was zu sagen und was zu bedenken ist. Das ist ja klar. Darüber hinaus kann ich mir aber auch überlegen, mit wem ich es da zu tun habe – eine Kollegin, ein Freund, ein Ratsuchender, eine Verbündete. Was möchte ich – neben dem Inhalt – eigentlich „rüberbringen“? Bei mir sind das meistens so Dinge wie „Du bist wichtig!“, „Wie gut das Du dabei bist!“, „Ich schätze Dein Experpertinnenwissen!“. Und die daraus entstehenden Erwartung werden meistens auch erfüllt.
Manchmal, das muss ich zugeben, gibt es aber auch so Sachen wie „Versuch bloß nicht, …!“, „Jetzt stell dich bitte mal nicht so an!“ oder schlimmer noch „Suchst du Streit? Schon gefunden!“. Naja, solche Situationen enden eben auch fast nie gut, sondern bringen meist Konflikt und Verletzungen mit sich.
Dabei geht es natürlich nicht um naives Schönreden schwieriger Situationen, sondern viel eher um einen realistischen Blick auf das Ganze. Der Kollege – um im Beispiel zu bleiben – will mir wahrscheinlich nicht böse. Vielleicht geht es um etwas, an dem sein Herz hängt, oder er ist nur der Bote und muss etwas weitergeben oder wir haben einen grundlegenden Konflikt miteinander oder wir sprechen einfach nicht dieselbe Sprache und es kommt häufig zu Missverständnissen oder oder oder.
Mit dem Guten rechnen, heißt für mich, sich auf das Gute vorbereiten; auf den Erfolg, auf die Wertschätzung, auf die Freude. Dazu gehört natürlich auch die Offenheit für das Gute, das Geplante, für das ich gearbeitet und auf das ich mich vorbereitet habe, und das Ungeplant, das mir spontan und oft genug unverdient passiert.