Gedanken zur Zeit

Brot

 

und Gemeinschaft

 
Wir erinnern uns: Jesus predigt den Menschen vom Reich Gottes und das ist ein verlockende, eine wirklich frohe Botschaft. Immer mehr Menschen kommen und wollen Jesus hören. Und dann kämpfen die Jünger mit den Problemen, die heute auch jede Großveranstaltung kennt: es braucht eine Infrastruktur. Für alle absehbar und doch unerwartet ist da plötzlich eine Menschenmenge, die versorgt werden muss. Die Jünger drängen Jesus, die Menschen wegzuschicken – soll doch bitte jeder für sich sorgen. Das klingt doch sehr vertraut.
 
Aber natürlich schickt Jesus die Menschen nicht weg. Erst mal sehen, was da ist. Und dann reicht es doch für alle. Fünf Brote und drei Fische – und alle werden satt. Erstaunlich, dass die Menschen überhaupt hergeben, was sie dabei hatten. Erstaunlich auch, dass es am Ende für alle reicht. Was für mich aber das besonders Erstaunliche ist, das ist, dass Jesus die Menschen dazu bringt zu teilen, etwas herzugeben, ohne einen Gegenwert dafür zu erhalten. Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass es nicht die Reichen waren, die Jesus folgten. Denen war seine Botschaft gewiss nicht immer angenehm. Es sind die Armen, die sowieso gerade genug für den Tag hatte, die sich da ins Gras setzen.
 
Miteinander essen ist auch für uns immer wieder etwas Besonders. Beim gemeinsamen Mahl teilen wir nicht nur unser Essen, wir schaffen Gemeinschaft. Wenn Jesus an anderer Stelle sagt, dass der Mensch nicht vom Brot allein lebt, dann gehört sicher auch Gemeinschaft zu dem, was wir brauchen. In einer solchen Gemeinschaft teilen wir unsere Sorgen und Nöte, wir lachen zusammen und erzählen uns Geschichten. Das schweißt zusammen und stärkt unser Gefühl der Verbundenheit. Mehr noch: gemeinsames Essen mit fremden Menschen kann uns neugierig machen auf andere Lebensweisen und Trennendes überwinden. Wir können uns als Teil einer Gemeinschaft erleben, die über unsere eigene kleine Welt hinausweist.
 
Ohne große Worte zeigt Jesus den Menschen, die ihm folgen – und das sind auch wir – wie Gottes Reich beginnt. Immer wieder, nicht nur in dieser Geschichte, macht Jesus Räume auf für alle. Er ermöglicht Gemeinschaft und zeigt, wie das funktionieren kann. Ja, klar, ich kann das nicht so tun, aber ich kann trotzdem damit anfangen. Ganz oft ist es ja für uns so, dass wir etwas richtig finden, es aber nicht tun, weil es die anderen nicht tun. Eine muss anfangen und warum sollte das nicht ich sein?
 
 
 
 
 
Text: Andrea Ludwig
Bild: Martha Gahbauer. In: Pfarrbriefservice.de