Gedanken zur Zeit

Regeln

 

mit und ohne Ausnahmen

 
Mit Regeln ist es oft schwierig, also mit dem Einhalten von Regeln. Wer sich schon einmal in einer Autobahnbaustelle an die vorgeschriebenen 60 km/h gehalten hat, weiß, was ich meine. Das ist auch auf der rechten Fahrspur nicht lustig, wenn man das Weiße in Augen desjenigen sehen kann, der hinter einem fährt.
 
Dass Regeln notwendig sind, wird ja niemand bestreiten, aber es geht ja dann im Einzelfall immer um eine besonders blöde Regel. Warum muss ich eigentlich auch nachts vor dem Kindergarten 30 fahren?
 
Ich verstehe auch nicht alle Regeln und es gibt Regeln, die ich sinnlos finde. Trotzdem halte ich mich an Regeln – na gut, ich versuche es ernsthaft. Regelbasiertes Verhalten schafft Sicherheit, grade und besonders dann, wenn es brenzlig wird.
 
Regeln schützen die Schwachen. Kinder z.B. sind einfach zu kurz, um im Straßenverkehr den Überblick zu gewinnen und sie können Geschwindigkeiten noch nicht richtig einschätzen. Um sie zu schützen gilt vor dem Kindergarten Tempo 30 - und wir wissen genau, dass das im Zweifel noch deutlich zu schnell wäre. Ich dagegen bin deutlich länger und kann Geschwindigkeiten einigermaßen einschätzen. Deswegen muss ich trotzdem an der roten Ampel stehen bleiben, auch wenn keiner kommt.
 
Ja, ich weiß, das klingt stur und bürokratisch. „Keine Regel ohne Ausnahme!“ – ist das eigentlich auch eine Regel?
 
 
Dann kann man prima darüber streiten, wer jetzt Recht hat, weil er sich an Regel gehalten hat und wer dagegen dumpf und unflexibel ist, weil er den Geist der Regel nicht erfasst hat.
 
Mit Regeln ist es eben oft schwierig.
 
Und trotzdem halte ich mich an Regeln, an alle. Denn ich bin ja nicht diejenige, die entscheidet, welche Regel jetzt sinnvoll ist und welche ich übertreten darf. Wenn wir alle das für uns selbst entscheiden, brauchen wir keine Regeln mehr. Es stimmt, manche Regeln passen nicht und dann – das ist mein Traum – müssen wir darüber miteinander reden. Da könnte dann allerdings deutlich werden, dass die Regel, die so blöd finde, doch total sinnvoll ist, nämlich aus einer Perspektive, die mir fremd ist. Es könnte aber auch klar werden, dass diese Regel nicht mehr oder nicht mehr so gebraucht wird. Regeln fallen nicht vom Himmel, es sind Vereinbarungen.
 
Gottes Regeln sind ziemlich einfach, sie schützen auch die Schwachen und das sind wir irgendwie alle mal. Aber Gottes Regeln kennen keinen Strafkatalog und sie sind extrem flexibel. Liebe Gott und liebe deinen Nächsten wie dich selbst! Darüber müssen wir an sich nicht mehr ins Gespräch kommen. Sie zu verletzen schaden uns genauso wie den Anderen.
 
Da wird es auch schwierig mit Rechthabereien, mit Recht haben und Recht kriegen und Recht behalten. Da muss ich auch nicht lange diskutieren, für diese Regel haben wir einen inneren Kompass, da wissen wir genau, ob wir uns daran gehalten haben oder nicht. Und bei der Frage, wie andere Regeln auszulegen sind, könnte sie eine Orientierung sein – dient das noch der Liebe und dem Leben?
 
 
 
Text und Bild: Andrea Ludwig