Gedanken zur Zeit

Strafe

 

muss sein!

 
 
Strafe muss sein!
 
Oder etwa nicht? Schon die Grundschulkinder finden, dass das stimmt. Ich bin skeptisch!
 
Wenn wir Fehler machen, gilt das schon mal nicht. Wer etwas falsch macht, weil er etwas nicht wusste, wird nicht bestraft. Na gut: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht, aber es macht einen Unterschied, ob ich absichtlich etwas Schlimmes tue oder aus Versehen.
 
Strafe muss gerecht sein – finden jedenfalls die Kinder. Und das ist sie nur, wenn jemand wissentlich und willentlich fies war – also wusste, dass etwas gemein ist und es genau deshalb getan hat.
Kommt eigentlich nicht so oft vor, oder?
 
Warum muss Strafe sein?
 
Mir reicht es eigentlich schon aus, wenn jemand versteht, dass es falsch war, verletzend, beschämend, was sie gemacht hat. Ich will nicht absichtlich jemanden beschämen, aber wenn sich jemand schämt für sein Handeln, braucht es keine Strafe mehr. Finde ich.
 
Das heißt aber nicht, dass alles wieder einfach so gut ist, wenn es mir nur wirklich leidtut. Nein, ich muss halt mit den Folgen meines Handelns leben. Aber das ist keine Strafe. Wenn ich lange brauche, um ein Spiel zu erklären, weil alle so laut waren, dann können wir es eben nur einmal spielen und nicht dreimal, weil keine Zeit mehr ist. Wer am Tisch isst wie ein Schwein am Trog, kann halt heute nicht mehr mit uns essen und muss in der Küche essen. Wer andere immer beleidigt, wird nicht mehr eingeladen – nicht um ihn oder sie zu bestrafen, sondern weil niemand mehr mit so jemandem zusammen sein will. Die Folgen des eigenen Handelns reichen meistens aus. Das gilt auch im Sport, wer ein Foul begeht und die andere Mannschaft schädigt, wird des Platzes verwiesen. Damit hat die andere Mannschaft einen Vorteil, der den Schaden wieder gutmacht (okay, theoretisch).
 
Warum muss Strafe sein?
 
Vielleicht müssen wir in der Gruppe erleben, dass ein mieses Verhalten Konsequenzen hat. Nicht nur für einzelne Beteiligte, sondern für uns alle. Wer in der Gruppe verletzend und beschämend ist, beschädigt nicht nur den Menschen gegen den sich sein Verhalten richtet, sondern alle. Er fördert ein Klima der Angst und Unsicherheit. Damit wir uns wieder sicher fühlen, muss so ein Verhalten für alle spürbare Konsequenzen haben. Ob das Strafe ist?
 
Wenn Strafe wirklich sein muss, was unterscheidet sie dann von Rache?
 
Strafe hat nur dann überhaupt einen Sinn, wenn sie dazu dient, den sozialen Zusammenhalt zu stärken, dass eine wieder Teil der Gruppe werden kann, dass wir einander wieder voller Vertrauen begegnen können.
Rache dagegen ist immer einer Kriegserklärung und führt fast zwangsläufig in die Eskalation.
 
Ich glaube nicht daran, dass Strafe funktioniert, wenn sie etwas anderes ist als Folge meines Handelns. Manchmal gehört zu diesen Folgen, dass ich spürbar etwas für das Ganze tun muss.
 
In diesem Zusammenhang höre ich oft die Worte Jesu „geh und sündige von jetzt an nicht mehr!“ (Joh 8,11). Das ist mein Wegweiser. Denn Strafe muss eben doch nicht sein.
 
 
 
 
 
Text: Andrea Ludwig
Bild: Canva.com